diskurs

HALLO
Solltest du zufällig auf diese Seite geraten sein? Sie enthält nur spezifische Informationen im Zusammenhang mit Diskussionen auf der Deutschen Didgeridoo Mailingliste. Schau dich gerne um, aber wundere dich nicht...

 


Saugeffekt

Folgendes ist bei mir zum Thema Saugeffekt hängengeblieben.
a) Sven Molder wurde mit diesem Begriff in Verbindung gebracht
b) es wurde sich auf Didgeridoo-Magazin bezogen.

Den Artikel im Didgeridoo-Magazin habe ich nicht unerheblich redaktionell bearbeitet und von Sven absegnen lassen, deshalb hab ich ne grobe Ahnung, was zumindest IM ARTIKEL steht, und wo eventuell Verwirrungen auftreten können.
Dies unabhängig davon, ob ich den Artikel für geeignet oder gar in irgendeiner Form für "sachlich richtig" erachte.
1) Saugen bedeutet NICHT notwendigerweise (IMO sogar überhaupt nicht) "einatmen".
"Saugen" ist ein Effekt, der durch Unterdruck im Mundraum entsteht. Mit-dem-Strohalm-trinken ist hierfür ein Beispiel: Die Flüssigkeit wird durch eine Abwärtsbewegung der Zunge zunächst in den Mund gesogen (und erst dann geschluckt).

Ich bevorzuge daher statt "Saugeffekt" auch eher den Begriff "Unterdruckeffekt". Der Begriff "Saugen" ist deshalb im fraglichen Artikel von mir ganz bewusst in Anführungszeichen gesetzt worden; aus folgendem Grund: In den Zusammenhängen wo ich mit Sven gesprochen habe, wurde nicht von einem richtiggehenden langen "Saugen" gesprochen, sondern von eben diesem kurzen Unterdruckeffekt. (Ich vermute, dass Sven die Begriffe nicht immer in der notwendigen Stringenz verwendet, deswegen muss ich es hier auf meine Erfahrungen reduziert betrachten)

2) Der "Saugeffekt" ist in diesem Zusammenhang also einfach ein "Unterdruckeffekt": Durch Zurückschlagen der Zunge wird ruckartig ein Unterdruck erzeugt, der auf die Lippen verschiedene Auswirkungen haben kann. So können sie z.B. ruckartig gestoppt werden. Je nachdem, wie die Lippen am Mundstück sitzen und wie sie geformt und trainiert sind, können bei diesem Vorgang kurzfristig andere Frequenzen angesteuert werden, z.B. Eigenresonanzen des Instrumentes, die im Bereich von bestimmten Obertönen oder auch toots liegen können. In langen Analysen mit verschiedenen Didgeridoo-Spielern haben wir in traditionellen Aufnahmen aus NordostArnhemland verschiedene "wummernde" oder "klockende" perkussive Töne nachvollziehen können, die wir auf diesen Unterdruckeffekt zurückzuführen vermeinten.

Dieser "Unterdruckeffekt" ist nicht nur durch traditionelle Techniken erreichbar, sondern eben auch durch ein Zurückreißen der Zunge z.B. von der "i" in die "o"-Stellung. Ich kann zwar die traditionellen Retroflexe (= Bewegungen durch Zurückbiegen der Zunge) nicht korrekt ausführen, aber von dem "i-zu-o"-Effekt hab ich mal ein Klangbeispiel aufgenommen..

Das Resultat klingt in diesem westlichen Zusammenhang natürlich denkbar unspektakulär und so ähnlich wie verschiedene Überblaseffekte: Es können auch schon mal "furzende" Töne entstehen. Wenn ich mir das jetzt mit den Aborigine-Lippen, einer langen Praxis von Kleinstkindesbeinen an und dem richtigen Instrument gespielt vorstelle, könnten genau die traditionellen perkussiven Effekte entstehen.

Die folgenden Samples sind Versuche, sogenannte Saugeffekte (Erzeugen eines kurzen Unterdruckes) im Didgeridoo mit westlichen Spieltechniken zu erzeugen.

  • Sample 1: Unterdruck-figur, weich
    Weich gespielter Grundton, Zurückreißen der Zunge.

  • Sample 2 : Unterdruckfigur, etwas "übertriebenere" Lippenspannung
    Beim Zurückreißen der Zunge presse ich die Lippen zusammen. Es entsteht ein rauher "überzogener" Ton.

  • Sample 3: Unterdruckfigur, stark übertrieben, in resonantem Instrument
    Vor dem Zurückreißen erhöhe ich hier noch einmal den Druck durch ein druckvolles "j" (bzw "ch"). Das verstärkt den Kontrast. Je nach dem was die Anlage hergibt, ist auch folgendes hörbar: der überrissene Ton verstärkt eine instrumenteigene Resonanz. Dies werte ich als einen Hinweis, dass mit entsprechender Kenntnis Resonanzen in der "Toot"-Frequenz und in anderen instrumenteigenen Frequenzen angespielt werden können .